Die ältesten bekannten Funde von Talheim stammen aus der Jungsteinzeit. Eine große bandkeramische Siedlung in der Gemarkung Talheim befand sich auf den Fluren „Steinäcker, Pfädlesäcker und Grabenäcker“.
1983 wurden auf dem Grundstück Schoch, Im Pfädle 1, menschliche Knochenreste und Keramikstücke aus der Jungsteinzeit, also 4.000 bis 5.000 v.Chr., gefunden. Die Teile waren der Kulturstufe der mittleren bis späteren Bandkeramik zuzuordnen. Die Bandkeramik ist eine Kulturgruppe, die durch bandförmige Ornamentierung der Gefäße charakterisiert ist. Die Bandkeramiker, die aus Südosteuropa stammen, waren die ersten, die sich hier sesshaft machten. Sie lebten in weilerartigen Dorfanlagen und waren die ersten Ackerbauern und Viehzüchter. Neben ihrer Töpferei ist ihre Kultur durch geschliffene Steingeräte, Holzbauten und Bevorzugung von fruchtbaren Lössböden gekennzeichnet.
Die Gemeinde Talheim gehört zu den Gemeinden mit einer reichen, wechselvollen Geschichte. Die Ortsnamenendung –heim deutet auf eine fränkische Gründung des 6. und 7. Jahrhunderts n. Chr. hin. Die Ersterwähnung fällt in das Jahr 1230, als ein „Dietherus de Taleheim“ als Zeuge anlässlich der Beilegung eines Streites zwischen dem Kloster Schöntal und dem Pfarrer in Sindringen erscheint.
Schon früh waren die Besitzrechte im Ort stark zersplittert. Die bis in das 17. Jahrhundert bezeugten Herren von Talheim hatten neben Eigenbesitz würzburgische, hessische, brandenburgische und württembergische Lehen inne. Daneben besaßen in Talheim zahlreiche Ganerben mit Eigen- oder Lehenbesitz weitere Güter und Rechte.
1778 gab Württemberg seinen Teil der Ganerbenburg als Wohnung für jüdische Familien frei (heute noch Judenschloss genannt). Dies war der Anfang der jüdischen Gemeinde in Talheim, die weiter lebte, bis sie durch die Nationalsozialisten ausgelöscht wurde. Die anderen Ganerben des Schlosses sahen einen Eingriff in ihre Rechte und zerstörten 1795 den jüdischen Betraum. Talheim war bis 1942 eine bedeutende Judengemeinde.
Weiteres Interessantes bezüglich der Geschichte der Gemeinde Talheim kann im Geschichtsbuch der Gemeinde nachgelesen werden.
Von den einst mehreren Burgen und Schlössern Talheims, ist die „Obere Burg“ am ursprünglichsten erhalten. Sie wurde von den „Herren von Talheim“, eine um 1230 bis ins 17. Jahrhundert bezeugte Adelsfamilie, im Jahre 1180 erbaut. Etwa zur gleichen Zeit wie die Burg, bauten Talheims Herren die evangelische Kirche, heute als Talheimer Bilderkirche mit wertvollen uns sichtbaren Fresken bekannt. Auch die kunstvollen Grabsteine der Herren von Talheim sind dort verewigt und sehenswert.
Auch die katholische Kirche, ursprünglich Schlösschen derer von Lyhrer, birgt einen wertvollen Kunstschatz: eine alte Madonnenstatue aus dem 14. Jahrhundert. Auch die katholische Kirche wird von einem Friedhof umgeben.
In einem idyllischen Garten versteckt, ist das „Frauenbergsche Schlösschen“ (Unteres Schloss) zu finden. Das Untere Schloss wurde 1766 – 1780 von Philipp von Gemmingen erbaut. In den Jahren 1992 – 1994 und 1998 wurde das Schlösschen durch die Gemeinde Talheim renoviert. Heute befindet sich dort ein gewerblicher Betrieb, Räumlichkeiten für Veranstaltungen („Treff im Schloss“) sowie ein Weinkeller für Weinproben.
Der Hohrainhof (Schellenhof) südöstlich von Talheim gelegen, wird nachweislich erstmals Anfang des 16. Jahrhunderts erwähnt. 1807 als auch Talheim ganz zu Württemberg gekommen ist, ist dieser Hof in das Eigentum des Landes übergegangen. Als Domäne lange von der Zuckerfabrik pachtweise bewirtschaftet, ist er seit 1938 als eine Außenstelle der Justizverwaltung Heilbronn eingerichtet. Von dort aus wird der 82 ha große Hof mit etwa 8 ha Weinbau bewirtschaftet. Der hier erzeugte „Knastwein“ genießt nicht nur wegen seiner Einmaligkeit, sondern auch wegen der guten Qualität, einen besonderen Ruf.
Der Talheimer Hof ist im Zusammenhang mit der Errichtung der Gemeindewasserversorgung entstanden. Im Jahre 1907 wurden die notwendigen Gebäude errichtet. Seit einigen Jahren wird in begrenzter Größe auch Weinbau betrieben. Als gute Besenwirtschaft hat sich der jetzige Pächter Kühfuß einen Namen gemacht. Das Hofgut Haigern umfaßte einst 36ha und war ursprünglich im Besitz der Herren von Gemmingen, die sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts davon gelöst haben. 1938 ist die Stadt Heilbronn Eigentümerin geworden, heute ist das Gelände in privatem Besitz. Das landwirtschaftliche Anwesen ist mit der Gastwirtschaft verpachtet.
1938 wurde eine eigene Weingärtnergenossenschaft gegründet, die sich 1971 mit Flein zur Weingärtnergenossenschaft Flein-Talheim vereint hat.
Der alte Bauern- und Weinort Talheim hat sich nach dem II. Weltkrieg nicht nur zu einer attraktiven Wohngemeinde mit 4.600 Einwohnern entwickelt, sondern auch durch die Erschließung von Gewerbegebieten mittelständisches Gewerbe angesiedelt.
An der Burgmauer am Burgweg steht ganz schlicht –Hebamme-. Dieser Hinweis wurde 1993 in Erinnerung an die bekannte und beliebte Talheimer Hebamme Frieda Schneider, geb. 1897, vom Steinmetzen Kurz Rücker, Flein/Talheim, fachgerecht renoviert. Frieda Schneider ist am 23. Jan. 1993 im Alter von 95 Jahren verstorben. Sie hat über 30 Jahre viele Talheimer Erdenbürger zur Welt gebracht. 1952 schied sie aus gesundheitlichen Gründen aus den Diensten der Gemeinde Talheim aus. Der „Hebammen-Dienst „war kein leichter Beruf, so hat man von früheren Vätern und Müttern erfahren. Zum Andenken an die Arbeit der „Hebamme“, die im linken Teil der Burg eine Wohnung besaß, steht am Burgweg „Hebamme“. Damit die geplagten Väter oder vielleicht Großeltern beim Ereignis „Geburt“ nicht den steilen und schlecht begehbaren Burgweg hinauf mussten, haben sie das Seil gezogen und die Glocke betätigt, die in der Wohnung von Frieda Schneider angebracht war. Die Hebamme wusste wo sie im Ort gebraucht wurde.
Eine nette Geschichte dazu: Wenn die Stimmung bei Schneiders nicht so gut war, hat Frieda selbst die Glocke bedient. Sie hat ihrem Mann gesagt, dass sie zu einer anstehenden Geburt müsse, schnappte ihre Hebammentasche und hat sich bei Bekannten und Verwandten einige schöne Stunden gemacht. Sie kam dann später gutgelaunt wieder zurück.
Auch nach ihrem Weggehen von ihrer geliebten Burgwohnung ins Altersheim nach Heilbronn hatte sie noch immer regen Anteil am Gemeindeleben und ein gutes Verhältnis zu Bekannten und Verwandten. Bis 1992 war sie noch bei den Gassenfeschten dabei. Bei den Ortsführungen wird am Burgweg die Geschichte der Hebamme erzählt und an alte Zeiten erinnert.
Verfasser: Erich Bindereif
In Talheim wird das Kirchweihfest immer am dritten Wochenende im Oktober gefeiert. Das Fest hat aber nicht mehr die Bedeutung wie in früheren Jahren.
Erich Bindereif hat in seinen Unterlagen überaus Interessantes gefunden. Im Gemeindebrief von 1937 (Vorgänger des heutigen Mitteilungsblattes) wurde diese Zeichnung unseres Ehrenbürgers Hanns Reeger zum Kirchweihfest mit Vergnügungspark und Feuerwerk gefunden. Wie man sieht, verstanden es die Talheimer – aber auch viele Gäste – zünftig zu feiern.
Recht Interessantes (auch zum Schmunzeln) liest man in den Gemeinderatsprotokollen aus dem Jahre 1928. Zunächst erfolgte schon im Juni 1928 ein Bewerberaufruf. Es gehen mehr Meldungen ein, so dass der Gemeinderat die Auswahl treffen muss. Seinerzeit wurden gewählt: Eugen Hirth, Otto Knöll, Karl Feierabend, Hermann Stadler, Walter Henn, Hugo Wörner, Franz Schmidt (Klemens Sohn), Hermann Schmidt, Otto Schmidt, Franz Feierabend, Ludwig Hirth und Wilhelm Fuchs.
Des Weiteren bestimmte der Gemeinderat in § 398 im Protokoll
Die Weinberghut ist schon immer ein wichtiges Thema der Gemeinde gewesen. Vor dem Kriege und auch in den 40er und 50er Jahren gab es genügend Meldungen, meist waren es jüngere Bauernbuben. Es musste sogar ausgewählt werden. Eine Voraussetzung, den Posten zu bekommen, war, dass man das Weinbergrätschen beherrscht hat.
Die Organisation lag in den Händen der Verwaltung, tatkräftig unterstützt durch die jeweiligen Feldhüter wie Hans Halmosi und zuletzt von Gerhard Maurer von 1983 bis 1995. Diese waren zusätzlich mit einer Schrotflinte ausgestattet. Heute sind meist Rentner im Einsatz. Während man früher alles zu Fuß ging, sind heute Mopeds, Motorräder oder Autos in den weit auseinander liegenden Gebieten im Einsatz.
2004 waren sechs Weinberghüter beschäftigt. Sie waren täglich etwa 70 Kilometer unterwegs. Heutzutage sind noch 4 Weinberghüter beschäftigt. Die Kosten werden zum Großteil von der WG Flein-Talheim und den dort nicht angeschlossenen Weinbergbesitzern getragen.
Bereits in den zwanziger Jahren wurden die Staren in erster Linie mit Weinbergrätschen und Vorderladern bekämpft. In alten Akten ist der Umgang mit Vorderladern besonders beschrieben. Dann ab den 60er Jahren gab es Pistolen mit Zündhütchen und Knallpatronen, ganz selten waren noch Weinbergrätschen im Einsatz.
Verfasser: Erich Bindereif